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#2 Präzise (Omega Speedmaster): Interview 2 aus unserem Buch: "Gespräche mit den wertvollen Dingen".

 

?_Guten abend, Armbanduhr, wie hast du es geschafft, als einzige das große Artensterben der Dinge zu überleben, die das Smartphone ausgelöst hat. Wir vermissen so schöne Dinge wie Kompass, Kamera, Wecker, Radio, Taschenrechner, Kalender, Straßenkarte und viele mehr.
!_Sicher liegt das daran, dass ich als Uhr einen grundlegenden Parameter des menschlichen
Zusammenlebens - die Zeit - repräsentiere, aber vor allem das einzige Schmuckstück bin, das ein Mann tragen darf, ohne eitel zu wirken - mal abgesehen von „Manschettenknöpfen“ und Ehering.

?_Aber die Zeit zeigt ein Handy oder eine Smart-Watch doch genauso gut an, und beide können auch noch weit mehr als nur die Zeit anzuzeigen oder zu messen ?
!_Ich brauche keine externe Energie dazu, wie
Handy oder Smart-Watch, ich versorge mich über die Bewegung meines Trägers selber mit Energie, weil ich klüger gedacht bin, und über eine Zeitspanne von etwa 5.500 Jahren stetig verbessert
werde. Es ist schon ein grosser Denksprung von der ortsgebundenen, einteiligen Sonnenuhr zu
einer transportablen Automatic Armbanduhr aus ca. 700 Teilen.


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Anglepoise 1227 - Schreibtischleuchte 1933, George Carwardine

 

von Federn und Stoßdämpfern, Herbert Terry & Sons. Die Anglepoise ist das Vorbild aller Federzugleuchten und sehr erfolgreich. 1992 erringt sie den ersten Platz, als 50 britische Industriedesigner nach der bedeutendsten Leuchte aller Zeiten gefragt werden.

?_Es sieht so aus, als würden die Erfolge immer größer werden, je weiter wir in die Geschichte Deiner Vorfahren eintauchen - erzähl mir von Deinen Ursprüngen.
!_Mein Ursprung ist Licht, künstliches Licht. Nach der Entdeckung des Feuers leben die Europäer im Mittelalter bei Fackelschein und vor allem bei Kerzenlicht. Die Kerzen werden in einem zeitaufwendigen Verfahren vorwiegend aus tierischem Fett hergestellt. Sie stinken, rußen und haben eine kurze Brenndauer. Eine innovative Alternative sind Kerzen aus Walrat, das aus dem Kopf des Pottwals gewonnen wird. Sie geben zwar mehr Licht und tropfen weniger, sind dafür aber teurer. Die im 19. Jahrhundert aufkommenden Gas- und Kerosinlampen sind etwas effizienter und eine Rettung für die Pottwale. Doch künstliches Licht ist für eine längere Brenndauer zu teuer und zudem immer verbunden mit Brandgefahr. Erst die Erfindung der Glühbirne sorgt für eine revolutionäre Energieeffizienz und Brandsicherheit.

?_Und wer hat sie erfunden, die Glühbirne?
!_Dass ein Draht im Vakuum nicht verbrennt, sondern nur glüht, ist bereits bekannt, als Thomas Alva Edison 1879 die Glühbirne entscheidend weiterentwickelt und Helligkeit in ein preiswertes Massenprodukt verwandelt. Nach vielen Versuchen führen schließlich der Einsatz eines hochohmigen Kohlefadens und eine vebesserte Vakuumversiegelung zum Erfolg der Glühbirne, zum Beginn des Elektrozeitalters und zur Elektrifizierung New Yorks.

?_Was für eine Erfolgsgeschichte! Lässt sich die Energieeffizienz in Zahlen ausdrücken?
!_Der Preis des Kunstlichts ist von 40 Cent pro Leuchtstunde (Talgkerzen im Jahr 1800) auf 0,1 Cent pro Leuchtstunde (Glühbirne im Jahr 1992) gefallen. Die Lichteffizienz ist parallel um den Faktor 1000 gestiegen. Mit der Entwicklung 2014 mit energiesparendem weißen Licht fortgeführt. Eine Stunde kostet jetzt nur noch 0,01 Cent. Damit ist die  Lichteffizienz ist im Vergleich zur Kerze also um den Faktor 10.000 gestiegen.

?_Was möchtest Du dem Leser mitgeben?
!_Unsere Welt ist heute so hell erleuchtet, dass wir den Begriff "Lichtverschmutzung" erfunden haben. Wenn wir uns in unsere Vorfahren hineinversetzen, die so viel Zeit und Aufwand in die Erzeugung von ein wenig Licht investiert haben, erscheint uns das als vollkommen absurd. Ich bin aus einer Unzufriedenheit Bestehendem gegenüber und einem daraus resultierenden Bedürfnis nach etwas Besserem entstanden. Der Weg zu mir führt über drei Innovationen zum Erfolg. Darin lässt sich ein System erkennen.

 

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